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27. Mai 2013

Experte bestätigt: Störarten zählen zu den bedrohtesten Fischarten des Donausystems

Experte bestätigt: Störarten zählen zu den bedrohtesten Fischarten des Donausystems

Die Donau zählt aufgrund ihrer geografischen Lage zu den fischreichsten Flüssen und beheimatet Fischarten, die europaweit nur auf diesen Lebensraum beschränkt auffindbar sind. Der österreichische Fischökologe DI Dr. Gerald Zauner gibt aufschlussreiche Informationen über die Besonderheiten des Flusssystems Donau und den diesjährigen Danube Day Mottofisch, dem Sterlet.

DI Dr. Gerald Zauner

 

Die Donau und ihre Zu- und Nebenflüsse sind ein wichtiger Lebensraum für zahlreiche Pflanzen und Tiere. Was macht dieses Flusssystem für Flora und Fauna so einzigartig?

Die Donau gehört von Natur aus zu den fischreichsten Flüssen Europas, was durch die geographische Lage als Verbindung zwischen dem ponto-kaspischen Ausbreitungszentrum und dem mitteleuropäischen und alpinen Raum erklärbar ist. Neben vielen Arten mit weiter Verbreitung in Europa kommt hier auch eine Anzahl von Arten vor, die in Mitteleuropa auf die Donau und ihre unmittelbaren Nebengewässer beschränkt bzw. überhaupt nur in einem Teil des Donaugebietes endemisch sind. Ungefähr ein Viertel der Fischarten der Österreichischen Donau gehört diesen Verbreitungstypen an und kommt nur in der Donau vor.

 

Im Donaugebiet leben Fischarten, die vom Aussterben bedroht sind. Um welche Fischarten handelt es sich hier und welche Schutzmaßnahmen sollen das Überleben sichern?

Die bedrohtesten Fischarten des Donausystems sind sicher die Störarten. Wie in fast allen größeren Flüssen der Welt wurden Kraftwerke errichtet, welche die Laichwanderungen verhindern und die Laichgebiete zerstörten. Die Überfischung und die Gewässerverschmutzung im Mündungsgebiet sind ebenso ein großer Bedrohungsfaktor. Restriktive Fangbeschränkungen und Sanierung der Gewässergüte sind Minimalanforderungen zum Schutz der Störe. Die Herstellung der Durchgängigkeit, insbesondere der Kraftwerke im „Eisernen Tor“, sind weiters enorme Herausforderungen, zumal im Fall der Störe die flussabgerichtete Wanderung im Lebenszyklus dieser Fische essentiell ist.

 

Der Sterlet, dem das heurige Danube Day-Motto gewidmet ist, zählt ebenfalls zu den bedrohten Fischarten. Ist diese kleine Störart für die nächsten Generationen zu retten?

Der Sterlet weist unter den heimischen Donaustören eine Sonderstellung auf. Diese Art verbringt, im Gegensatz zu anderen Stören, sein gesamtes Leben im Süßwasser und wandert demnach nicht ins Schwarze Meer. Über seine Lebensansprüche ist allerdings bislang sehr wenig bekannt. Im Grenzraum zwischen Bayern und Österreich hat diese Störart überlebt und kommt hier in der einzigen selbst reproduzierenden Population Mitteleuropas vor. Diese Population ist aktuell durch Hybridisierung mit anderen Störarten (Sibirischer Stör) bedroht. Im Rahmen eines Forschungsprojektes soll mehr Wissen zur Lebensweise, Bedrohung und zum Schutz dieser Störart gewonnen werden.

 

Die Störartigen und ihre Familien gelten als markante Fische. Was sind die wesentlichen Unterscheidungsmerkmale dieser Fische zu anderen Fischarten?

Störe gehören zur Klasse der Knochenfische mit der Unterklasse Strahlenflosser, bilden aber sozusagen einen Übergang von Knorpel- zu Echten Knochfischen, da sie einerseits ein Knorpelskelett, andererseits Knochenplatten haben. Die Störe sind eine der ältesten bekannten, noch lebenden Süßwasserfischform; sie kommen seit ca. 200 Millionen Jahren vor. In ihrem Aussehen ähneln sie Haien.

 

Mit welchen Maßnahmen wird die Lebensader Donau am nachhaltigsten geschützt? Und welche Schritte kann jede/r Einzelne setzen, um einen Beitrag zum Gewässerschutz zu leisten?

Während in den vergangenen Jahrzehnten die schlechte Gewässergüte als Hauptverursacher unbefriedigender Verhältnisse genannt wurde, sind aktuell die morphologischen und hydrologischen Veränderungen als wesentliche ungünstige Einflusskomponenten zu nennen. Die Regulierungsmaßnahmen und der Bau von Kraftwerken führten zu einer Folge von ungünstigen Prozessen, welche zum Teil zu gravierenden Veränderungen in den Lebensraumbedingungen führten. Großzügige Revitalisierungsmaßnahmen können zumindest teilweise die ökologischen Bedingungen der Lebensader Donau verbessern.  Die Belastung des Wasserhaushaltes durch Einleitungen scheint auf den ersten Blick gelöst (Kläranlagen); bei näherer Betrachtung belasten wir alle die Donau mit einem „riesigen unkontrollierten Chemiecocktail“, da unsere Zivilisationsgesellschaft mehr denn je unsere Flüsse als „Entsorgungsleitungen“ nutzt. Wenn man sich bewusst ist, dass nur wenige Inhaltsstoffe (primär Nährstoffe) in Kläranlagen zurückgehalten werden,  kann man durch bewusstes Umgehen mit den Ressourcen seinen Beitrag zum Schutz der Donau leisten.

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